Religionskreislauf und Priestermangel

Interessant an dem zuletzt erwähnten Buch "Das Religionsparadox" von V. Rationi ist auch die Theorie vom "Religionskreislauf":

Rationi vermutet, dass Religiosität vor allem in "vaterlosen Gesellschaften" hoch bleibt, weil durch die Abwesenheit der Väter die Sehnsucht nach einer liebevollen männlichen Vaterfigur besonders hoch sei. Das könne auch eine Erklärung für den zunehmenden Priestermangel in Europa sein, weil sich hier zunehmend eine "fürsorgliche Männlichkeit" ("caring masculinity") durchsetzt.

Religiosität kann aber auch in der Kindheit erzwungen sein. Dann könne sich sogar ein "autoritärer Charakter" / eine "autoritäre Persönlichkeit" als vorherrschender Persönlichkeitstypus in einer Gesellschaft herausbilden, der sich mit Freude einer Religion unterwirft, weil er nie etwas anderes als Zwang gekannt hat.

Das Religionsparadox (Victoria Rationi)

Das Religionsparadox ist ein Begriff, den die Religionspsychologin Victoria Rationi mit ihrem jüngst erschienenen  gleichlautenden Buchtitel einführt.

Sie beschreibt damit die Tatsache, dass internationale Friedensstatistiken nicht bestätigen können, dass Staaten mit einer stark religiösen Bevölkerung friedlicher sind. Als Quelle verwendet sie, wie bereits in ihrem Ebook "Religiophobia" den Global Peace Index, stellt aber auch einen Zusammenhang mit dem Thema Gewalt gegen Kinder her, das laut UNICEF Reports ("A familiar face") ebenfalls in vielen hochreligiösen Ländern virulenter ist als in den meisten säkularen Gesellschaften.

Religion, Säkularität und Glücksforschung

Im aktuellen World Happiness Report 2019 sieht es so aus, als ob unter den glücklichsten Ländern der Welt jene mit der geringsten Religiosität (Daten aus den weltweiten Gallup Umfragen zur Wichtigkeit von Religion im Alltag) zu finden sind:


Kann Religion unglücklich machen?

Im aktuellen World Happiness Report 2019 sind unter den "unglücklichsten Ländern" einmal mehr die meisten hochreligiös (Vergleichsdaten aus den weltweiten Gallup Umfragen zur Wichtigkeit von Religion im Alltag):

World Happiness Report 2019 - 3

Autoritäre Persönlichkeit und Religion

Gibt es einen Zusammenhang zwischen Religion und dem Typus "autoritäre Persönlichkeit"?

Forschungen dazu sollten dann beginnen, wenn die folgenden Eigenschaften einer autoritären Persönlichkeit innerhalb einer religiösen Gruppierung zu beobachten sind:

  • Conventionalism – Festhalten an Hergebrachtem
  • Authoritarian Submission – Autoritätshörigkeit/-unterwürfigkeit
  • Authoritarian Aggression – Tendenz, Verstöße gegen hergebrachte Werte ahnden zu wollen
  • Anti-Intraception – Ablehnung des Subjektiven, Imaginativen und Schöngeistigen
  • Superstition and Stereotype – Aberglaube, Klischee, Kategorisierung und Schicksalsdeterminismus
  • Power and Toughness – Identifikation mit Machthabern, Überbetonung der gesellschaftlich befürworteten Eigenschaften des Ich
  • Destructiveness and Cynicism – Allgemeine Feindseligkeit, Herabsetzung anderer Menschen
  • Projectivity – Veranlagung, an die Existenz des Bösen in der Welt zu glauben und unbewusste emotionale Impulse nach außen zu projizieren
  • Sex – Übertriebene Bedenken bezüglich sexueller Geschehnisse
(Zitiert nach dem o.g. Wikipedia Artikel).

Religiophobie aufgrund von Homophobie in Religionen

Ein weiterer Grund für Religiophobie könnte die Homophobie in vielen Religionen sein, während Homosexualität in fast allen säkularen Gesellschaften akzeptiert wird:

Auch dazu gibt es einen Wikipedia Artikel .