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Religion und Misogynie

Aus psychologischer Sicht können Religionen Misogynie bewirken, wenn die Rollenverteilung zwischen Müttern und Vätern zu einseitig ist:

Wenn nur die Mutter für die Kindererziehung und Kinderpflege zuständig ist, wie es von Religionen immer wieder gefordert wurde und wird, kommt es zur "Overprotection" des Kindes, und vor allem Söhne werden danach die Distanz zur Mutter suchen, vielleicht sogar einen Frauenhass entwickeln, wenn  emotionaler Missbrauch im Spiel war: 

Das ist dann der Fall, wenn der Sohn aufgrund der (körperlichen oder emotionalen) Abwesenheit des Vaters (der aufgrund religiöser Regelungen nicht zuständig ist für die Kindererziehung) für die Mutter die Rolle des Gesprächspartners für jede Sorge übernehmen muss, oder zärtliche Zuwendung von ihr eingefordert wird, auch wenn es der Jugendliche gar nicht mehr will (Übermütterung / Übermutterung).

Extremer kann die Misogynie werden, wenn die Religion tatsächlich Frauen als Menschen zweiter Klasse definiert: wenn also Jungen wie Könige behandelt werden und Frauen wie Dienerinnen. Diese Wertigkeit prägt sich in die Weltsicht dieses jungen Mannes ein: und er wird auch als Erwachsener Frauen als Menschen zweiter Klasse behandeln. Die Misogynie kann zu tätlicher häuslicher Gewalt werden, wenn es innerhalb einer Religion sogar die Erlaubnis dazu gibt (Koran-Sure).

Vgl. dazu die Bücher von Guido REY (Mutterkomplex des Priesters) und Nancy HARTEVELT-KOBRIN.

Narzissmus und Religiosität

Narzissmus entsteht bekannterweise, wenn ein Kind entweder emotional vernachlässigt oder über die Maßen gelobt wird.

In religiösen Familien kann es dann zu einer verstärkten Vernachlässigung des Kindes durch den Vater kommen, wenn es eine religiös geprägte Rollenverteilung zwischen Mutter und Vater gibt, nach der die Erziehungsarbeit der Mutter obliegt und der Vater außerhäuslichen Aufgaben nachgeht: also weniger anwesend ist.

Wenn dann auch die Mutter nicht die Ressourcen hat, sich dem Kind emotional zuzuwenden, kann es narzisstische Züge entwickeln, unter dem Motto "Ich bin zwar als Kind nicht beachtet worden: aber in Zukunft werden mich alle beachten!"

Laut Victoria Rationi (Konzept "Religionskreislauf") ist ein unbewusstes Motiv für die Ergreifung des Priesterberufes oft eine verleugnete Vatersehnsucht, die der jeweilige Mann zu kompensieren versucht, indem er selbst eine väterliche Rolle (in seiner Gemeinde) einnimmt.

In islamischen Gesellschaften ist Narzissmus bei Männern häufig dann anzutreffen, wenn sie bereits als Kind bevorzugt behandelt werden im Vergleich zur Erziehung der Mädchen. Dieser Narzissmus kann dann in säkularen Ländern zu psychischen Konflikten führen, weil hier meist Leistungen vorzuweisen sind, wenn man gelobt werden will - und es nicht ausreicht, einfach ein Mann zu sein.